In wessen Hände

In wessen Hände legst du dein Leben?

In die deines dir liebsten Menschen, dem du uneingeschränktes Vertrauen entgegen bringst, weil du weißt, dass er es niemals missbrauchen würde? In die Hände des deutschen Narkosearztes, den du bis kurz vor dem Eingriff noch nie gesehen hast? In die steril vorbereiteten Hände des ungarischen Chefarztes der Neuroradiologie, der sie konzentriert vor seiner Brust hält und darauf wartet, dass er dir einen Katheter in die Arterie einführen kann, um von deiner Leiste über die Aorta bis zu deinem Gehirn zu gelangen? Oder legst du dein Leben in die Hände des polnischen Lastwagenchauffeurs vor dir, der mit seinem behaarten Unterarm winkt, was wohl bedeutet, dass die Gegenfahrbahn frei ist und du überholen kannst? Legst du dein Leben in die Hände deines kriegserfahrenen Kommandanten, der dir Rückendeckung verspricht, während du den Feind angreifst? Oder würdest du dein Leben in die Hände eines dir unbekannten Menschen unbekannter Nationalität legen, dessen Sprache du nicht verstehst, der dir aber zu verstehen gibt, dich mit 70 anderen Menschen in einem LKW über die Grenze in den Frieden zu fahren?

Welche Rolle spielen die genannten Nationalitäten in deinen Überlegungen, ob du dein Leben in die Hände dieser Menschen legen sollst? Legst du überhaupt jemals dein Leben in die Hände jemandes – und hattest du dabei bislang das Privileg der Wahl?

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